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Auf
Kakteenpirsch im Südwesten der USA
Ein Reisebericht Text und Fotos von Wolfgang Reichel Eine
Reise in den Südwesten der USA ist sicherlich für viele Leute
ein erstrebenswerter Urlaub. Wenn man aber darüber hinaus noch
Kakteenfreund ist, lohnt sich die Reise doppelt. Mich hatte
der Südwesten schon viele Jahre angelockt. Im März
2002 war es endlich soweit. Es ging mit der Familie via Denver
in die heiß ersehnte Urlaubsregion. Ich hatte mich umfangreich
vorbereitet, so daß ich schon wußte, wo ich die von mir besonders
gehegten Pflanzen der Gattungen Sclerocactus und Pediocactus
sehen könnte. Meine Kakteensuche mußte ich allerdings den
übergeordneten Interessen der Familie unterordnen. In Utah
hatte endlich ich Erfolg. Wir übernachteten in Torrey.
Es ließ sich an wie bisher. Ich fand ziemlich kleine Opuntien und Yucca. Dafür war ich fast 30 Minuten lang auf dem Hang herumgestiegen. Ich dachte mir, das endet wie bisher: nichts werde ich finden. Der Kakteenfreund braucht aber Geduld. Das gilt für die Anzucht und genauso für die Suche am Standort. Meine Beharrlichkeit ließ mich aber nicht aufgeben und ich wurde belohnt: Der erste Vorgeschmack war eine wunderschöne Pflanze von Echinocereus triglochidiatus spec. mit weit mehr als 30 Köpfen. Die Pflanze ist völlig eingezwängt zwischen große Steine, die das Gesamtbild des Hanges stark mitbestimmen. Jetzt konnte ich nicht mehr loslassen und fand auch noch weitere Echinocereus triglochidiatus spec. Die Hoffnung auf Sclerocactus war trotzdem wieder stark gesunken, da ich bereits fast eine Stunde suchte. Doch plötzlich sah ich ein Grasbüschel, das anders aussah. Ich ging näher und sah tatsächlich meinen ersten Sclerocactus parviflorus f. terrae-canyonae. Es war eine wunderschön weiß bedornte Pflanze mit Blütenresten vom Vorjahr.
Am nächsten Tag ging unsere Fahrt weiter zum Arches Nationalpark. Im Natural Bridges Nationalmonument machten wir halt, um es zu besichtigen. Am Weg zu einem Aussichtspunkt sah ich wider Erwarten eine herrliche Vierergruppe von Sclerocactus parviflorus. Etwas weiter davon entfernt standen dann noch 2 Pflanzen.
Auf dem zum Parkplatz Rückweg konnten wir dann noch einige meist einzeln stehende Scleros sehen. Der dortige Sandboden war völlig durchfeuchtet, da es wenige Tage vorher geschneit hatte.Die Kakteenstimmung stieg nach diesem unerwarteten Fund stark an und die Erwartungen bezüglich Arches Nationalpark waren entsprechend hoch. Dort galt meine Aufmerksamkeit dem kakteenhaltigen Boden. Leider zeigten sich nur Opuntien in schier endloser Zahl. Am Parkplatz des Delicate Arch lief ich sofort zum Hang, da ich wußte, hier in der Nähe sollen Scleros wachsen. Die Enttäuschung war groß, da ich nichts fand. Wir verließen den Parkplatz und fuhren weiter. Ich schaute dabei immer wieder einmal zum Hang. Da plötzlich nach etwa 100m Fahrt entdeckte ich aus dem Auto heraus eine Pflanze. Sofort rechts an den Straßenrand fahren war jetzt angesagt. Ich schnappte mir den Fotoapparat und niemand konnte mich halten. Die erste Pflanze war wieder ein Prachtexemplar von Sclerocactus parviflorus. Ich sah auf einer Fläche von etwa 25 qm ca. 10 Pflanzen.
Allesamt
waren herrliche Exemplare und hatten einen beträchtlichen
Jahreszuwachs. Dies war ersichtlich aus dem Abstand zwischen
Scheitel und Blütenresten des Vorjahres. Der Boden war sandig
mit vielen Gesteinsbrocken. Feuchtigkeit war nicht feststellbar.
Auch hier fand ich leider noch keine Blüten bzw. Knospen.
Am 29.3.02 besuchten wir von Grand Junction aus das Colorado
National Monument. Die Begrüßung erfolgte wieder durch Opuntien
in Massen. Als wir fast das Plateau erreicht hatten, hielten
wir an einem Aussichtspunkt an, um Grand Junction von oben
zu betrachten. Viel interessanter für mich war aber, was ich am
Hang unter uns entdeckte. Dort standen wieder Scleros. Ich kletterte
nach unten und konnte eine Vierergruppe und eine Fünfergruppe
fotografieren.
Von Sclero oder Pedio keine Spur. Der Hang war nordwestlich ausgerichtet und stark mit Gras bewachsen. Wir (d. h. der Eigentümer und ich) stiegen höher und suchten weiter. Plötzlich entdeckte ich dann den ersten Sclero. Danach fanden wir noch eine Handvoll). Vermutlich handelt es sich um Sclerocactus glaucus. Die Pflanzen sind kleiner als die an den anderen Standorten gesehenen. Blüten oder Knospen waren auch hier nicht zu finden. Der Boden ist sehr steinig und enthält relativ viel Humus.
Der Eigentümer
der Pfirsichplantage teilte uns dann noch mit, daß im Winter
bis 25 °C und im Sommer bis +40°C herrschen. Die Niederschläge
betragen max. 200 mm jährlich. Anfang Mai erhielt ich vom
Pfirsichbauer gute Nachrichten. Er berichtete mir, daß er
weiter oben in den Klippen weitere Pflanzen gefunden hat,
die auch in Blüte standen (Bild 6). Die Bilder, die er mir
sandte, zeigen etwas größere Pflanzen als die wir unten fanden.
Die Pflanzen blühen rosa und haben 15 oder mehr Blüten. Eine
Zahl, die wir in unseren Sammlungen wohl nie erreichen werden.
Pediocactus simpsonii, der in der einschlägigen Literatur
als ziemlich häufig bezeichnet wird, habe ich leider nicht gesehen.
Aber vielleicht habe ich irgendwann einmal eine neue Chance. Abschließend
sollen noch einige Gesichtspunkte und Schlußfolgerungen für
die Kulturgenannt werden: Die Nächte sind bis in den April
(in höheren Lagen auch Mai) hinein oft noch sehr kalt (unter
0 °C). März/April gibt es an den Standorten einige Niederschläge,
oft auch als Schnee, der auch einige Tage liegen bleiben kann.
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